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DFG-Projekt zum Raum des Sag- und Zeigbaren im deutschen Kinospielfilm

Werkstatt-Eintrag am 13. September 2019

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat den Antrag „Diskursive Wirklichkeitskonstruktion im deutschen Kinospielfilm“ bewilligt. Das dreijährige Forschungsvorhaben firmiert als Fortsetzung des ebenfalls DFG-geförderten Projekts „Making of … Das handelnde Zusammenwirken im Entstehungsprozess von Spielfilmen in Deutschland“.

 

Fack ju Göhte, Toni Erdmann, Werk ohne Autor. Das seit Januar 2016 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt „Making of … Das handelnde Zusammenwirken im Entstehungsprozess von Spielfilmen in Deutschland“ kommt zu dem Befund, dass die Aussagenentstehung deutscher Kinospielfilme in Anbetracht des Filmförderkomplexes auch eine politische Dimension besitzt und Machtverhältnisse zum Ausdruck bringt, die autonomes Handeln deutlich begrenzen. Vor diesem Hintergrund will das ebenfalls von der DFG geförderte Fortsetzungsprojekt nun in Erfahrung bringen, welche Wissens- und Deutungsangebote das heimische Filmschaffen als Folge davon transportiert. Ausgehend von der Annahme, dass das Medium Film die Wahrnehmung der Welt beeinflussen kann und in den für das Zustandekommen deutscher Kinospielfilme charakteristischen Akteur-Struktur-Dynamiken eine Auseinandersetzung um legitime Sinnmuster stattfindet, die als Ergebnis spezifischer Macht-Wissens-Konstellationen dem Wissensregime der Gesellschaft Vorschub leisten dürften, stützt sich das dreijährige Forschungsvorhaben auf das Programm der Diskurstheorie und Diskursanalyse und fragt, welche diskursiven Regeln der Wirklichkeitskonstruktion im deutschen Kinospielfilm zugrunde liegen. Indem Filme als diskursive Praxis aufgefasst werden, schlägt das Projekt ein theoretisch und methodisch innovatives Vorgehen zur machtorientierten Untersuchung fiktionaler Unterhaltungsmedien vor und leistet einen Beitrag zur Medieninhaltsforschung, der einen Rekurs zur Kommunikatorforschung und zur Forschung im Bereich Medienpolitik ermöglicht. Mit dem Verständnis von Filmen als Bestandteil gegenwärtiger Wissensordnungen wird darüber hinaus die Visualisierung der Gesellschaft adressiert und ein weiterer Schritt zur Analyse der (Produktions-)Kultur audiovisueller Medienangebote in Deutschland unternommen, mit dem die Anschlussfähigkeit der Disziplin an internationale Fachkulturen und die Nachbarfächer erhöht werden kann. Für das qualitative Forschungsvorhaben sollen 40 aktuelle deutsche Kinospielfilme diskursanalytisch untersucht und mit Dokumentenanalysen flankiert werden. Forschungsprozess und Materialauswahl werden durch ein Kategoriensystem strukturiert. Natürlich gilt: Film & Gesellschaft wird den Forschungsprozess begleiten.

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