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Filmfestivals dekonstruiert: Akteurskonstellationen in der Debatte zur Zukunft der Berlinale

Werkstatt-Eintrag am 1. Oktober 2018

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Navigationen mit dem Themenschwerpunkt „Medienindustrien“ veröffentlicht: eine Studie zur Berlinale-Debatte im Herbst 2017, die sich auf eine große Sozialtheorie (den Ansatz der Akteur-Struktur-Dynamiken) stützt und mit mehreren Dutzend Dokumenten zeigt, wer hinsichtlich der künftigen Ausrichtung von Deutschlands A-Filmfestival vorrangig das Sagen hat.

 

Filmfestivals spielen eine entscheidende Rolle in den Prozessen von Produktion, Distribution, Zirkulation und Rezeption von Filmen und sind dabei mit zahlreichen (Macht-)Interessen konfrontiert. Ausgehend von dieser Annahme fragt der Beitrag am Beispiel der Internationalen Filmfestspiele Berlin, wie unterschiedliche Akteure die Zielsetzungen großer Filmfestivals strukturieren und deren Handeln in eine bestimmte Richtung lenken. Gestützt auf Schimanks Ansatz der Akteur-Struktur-Dynamiken werden dafür die Deutungs-, Erwartungs- und Konstellationsstrukturen untersucht, welche die öffentliche Debatte über die Zukunft von Deutschlands A-Filmfestival im Winter 2017/18 zutage gefördert hat. Die Dokumentenanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass zur künftigen Gestaltung der Berlinale zwar Aushandlungen von Zielsetzungen (das Festival als Ort der Filmkunst, aber auch als Marktplatz und internationale Handelsmesse, Informations- und Innovationsbörse, Imageträger für den Medienstandort und Impulsgeber für die Filmwirtschaft) stattfinden, die Politik aber die Handlungsspielräume der übrigen Akteure bestimmt. Zu den Verlierern zählen dabei die nach künstlerischer Autonomie strebenden Filmemacherinnen und Filmemacher, deren Lobby kaum Gehör findet.

Thomas Wiedemann, Tanja C. Krainhöfer: Filmfestivals dekonstruiert: Akteurskonstellationen in der Debatte zur Zukunft der Berlinale. In: Navigationen – Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften 18. Jg. (2018), S. 175-196.

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